Männer verdienen deutlich mehr als Frauen. Diese Tatsache ist statistisch erhärtet, und sie lässt sich in Zahlen fassen: 19,3% betrug der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau im Jahr 2010. Spätestens bei der Frage aber, welcher Anteil dieses Lohnunterschiedes durch objektive Faktoren begründbar ist und wo die Diskriminierung anfängt, ist man auf Schätzungen angewiesen. Immerhin rund 40%, glauben die Initiatorinnen des Equal Pay Day, sind diskriminierend.
Der KV Schweiz wollte genauer wissen, wie seine Mitglieder die Chancengleichheit in ihrem Betrieb bewerten und befragte dazu einen Teil seiner Mitglieder. Dabei zeigte sich: Männer und Frauen nehmen dieses Thema ziemlich unterschiedlich wahr. Gefragt, ob in ihrem Betrieb bei vergleichbaren Positionen Männer oder Frauen mehr verdienen, antworteten 68.2% der Frauen, Männer verdienen deutlich oder mindestens etwas mehr. Bei den Männern hingegen gehen 64,4% von gleichen Löhnen für vergleichbare Arbeit aus. Weder Männer noch Frauen glauben, dass Frauen mehr verdienen. Allerdings handelt es sich bei diesen Zahlen um weitgehend subjektive Einschätzungen: Lediglich 11,6% der Befragten gaben an, in ihrem Betrieb herrsche Lohntransparenz. 52,7% sagten, bei ihnen sei der Lohn ein Tabuthema, der Rest weiss punktuell von anderen, was sie verdienen. Bei dieser Frage gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Mänern und Frauen.
Ebenfalls recht ähnlich haben Männer und Frauen die betriebliche Förderung der Vereinbarkeit von Karriere und Familie beurteilt: 66,2% gaben an, die externe Kinderbetreuung werde in ihrem Betrieb nicht gefördert (22,9%: teilweise erfüllt, 11%: erfüllt). 47,4% der Befragten sagten, Home Office sei bei ihrem Arbeitgeber nicht möglich (33,5%: teilweise erfüllt, 19,7%: erfüllt), und laut 55,2% ist Teilzeitarbeit in ihrem Unternehmen auf Stufe Unternehmensleitung nicht möglich (25,3%: teilweise erfüllt, 19,5%: erfüllt).
Auch bei der Vertretung von Frauen in der Unternehmensleitung sieht es mager aus: 56% der Befragten sagen, dies sei bei ihnen nicht gegeben, von einer ungefähr paritätischen Vertretung gehen 16,2% aus. Sehr unterschiedlich werden hingegen von Männern und Frauen die Aufstiegschancen wahrgenommen. Während die Hälfte der Männer glaubt, diese seien für beide Geschlechter gleich, sehen dies lediglich 28,3% der Frauen so.
Immerhin 88,3% der Frauen gaben an, sehr starkes oder starkes Interesse am Thema Gleichstellung am Arbeitsplatz zu haben. Bei den Männern ist dieser Wert weniger hoch, doch auch sie äusserten mehrheitlich Interesse (63,5%). Grosse Unterschiede zeigen sich hingegen in der Frage, inwieweit die Gleichstellung in ihrem Betrieb verwirklicht sei: Lediglich 27,8% der Frauen glauben, dies sei vollständig oder weitgehend der Fall (Männer: 51,4%).
Auch in der politischen Einschätzung des Themas unterscheiden sich die Geschlechter deutlich: Während 78,6% der Frauen finden, das Thema müsste in der Politik mehr Aufmerksamkeit geniessen, meines dies lediglich 42,2% der Männer. Einig, wenn auch nicht gleich ausgeprägt, sind sich hingegen beide Geschlechter darin, dass die Wirtschaft von einer besseren Einbindung der Frauen profitieren würde (Männer 54,5%, Frauen 86,1%).
Die Umfrage wurde von 1360 Personen aus allen Branchen und Betriebsgrössen beantwortet. 20,9% sind Führungskräfte und 46,5% Fachkräfte mit höherer Ausbildung, 29,3% haben einen Lehrabschluss, 2,4% sind in Ausbildung und 0,9% sind ungelernt.





