Newsletter Nr. 5-2010

Arbeitsplatz: Wer ein Einzelbüro hat, ist produktiver

Wer im eigenen kleinen Büro sitzt, arbeitet produktiver, Angestellte in einem Grossraumbüro hingegen sind häufiger krank und unzufrieden. Hauptgrund dafür ist der Lärm, wie eine Studie gezeigt hat. Fachleute fordern deshalb Arbeitsplätze in verschiedenen Räumen, um die unterschiedlichen Tätigkeiten voneinander zu trennen.

Von Thomas Heeb

    

Die Studie wurde vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco zusammen mit der Hochschule Luzern - Technik und Architektur (HSLU) durchgeführt. An der Schweizerischen Befragung in Büros (SBiB) beteiligten sich 1230 Personen aus 125 Betrieben. Co-Autorin ist die dipl. Architektin Sibylla Amstutz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der HSLU. Im Interview sagt sie, worunter Angestellte in Grossraumbüros leiden und wie die ideale Bürolandschaft aussehen sollte.

   

Context: Über welche Hauptprobleme beklagen sich Angestellte in Grossraumbüros?

Sibylla Amstutz: An erster Stelle liegt eindeutig der Lärm im Raum. Fast 80% der Befragten in Grossraumbüros mit über 50 Personen fühlen sich durch Gespräche und Telefonate oft bis sehr oft gestört. Beim Lärm ist die Situation nur in Einerbüros wirklich gut. Weiter klagen die Befragten deutlich häufiger über abgestandene oder schlechte Luft, Zugluft und eine ungenügende Beleuchtung. Wer in einem Grossraumbüro arbeitet, kann meist keinen Einfluss auf Temperatur, Luft und Licht nehmen. Das wirkt sich generell negativ aus auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden.

    

Wie sieht denn die ideale Büro-Arbeitsform aus?

Die ideale Büro-Arbeitsform ist jene, die Kommunikation und Wissensaustausch unter den Mitarbeitenden unterstützt und fördert. Sie sollten die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen, und sie können Einfluss nehmen auf den Komfort und die Beleuchtung an ihrem Arbeitsplatz. Das Angebot an Räumen, das den Mitarbeitenden zur Verfügung steht, sollte möglichst gross sein. Es braucht Räume zum konzentrierten Arbeiten und für die Teamarbeit, Räume zur Erholung und für spontane Kommunikation.

 

Kritiker sagen, Einzelbüros könnten auch zu einer Art «Einzelhaft» führen.  

Interessanterweise empfinden das die Befragten in den Einzelbüros gar nicht so. Denn die Befragung zeigte, dass diese Personen am wenigsten gestört werden und sie am wenigsten Absenzentage haben. Das wäre bei der «Einzelhaft» sicher nicht der Fall. Je nach Tätigkeit kann ein Einzelbüro auch sinnvoll sein, z. B. für vorwiegend konzentrierte Arbeiten, die wenig Wissensaustausch zwischen den Mitarbeitenden verlangen.

  

Grossraumbüros werden oft aus wirtschaftlichen Gründen eingerichtet.

Wenn es nur um Flächeneffizienz geht, wenn also möglichst wenig Kosten pro Arbeitsplatz entstehen sollen, dann ist das falsch. Denn dabei wird oft nicht berücksichtigt, dass auch die Flächenproduktivität in die wirtschaftlichen Berechnungen einfliessen muss. Die Mitarbeitenden sollten ihr Leistungspotenzial entfalten können, ohne physische und psychische Beeinträchtigungen hinnehmen zu müssen. Dies kann nur erreicht werden, wenn das Bürolayout so konzipiert ist, dass es den unterschiedlichen Bedürfnissen der Mitarbeitenden gerecht wird.

  

Welche Punkte müssen in einem Grossraumbüro in jedem Fall beachtet werden?

Grossraumbüros oder auch Gruppenbüros haben viele Vorteile. So werden z. B. die Kommunikation und der Wissensaustausch unter den Mitarbeitenden gefördert und auch erleichtert. Aber die unterschiedlichen Tätigkeiten wie Telefonieren, Besprechungen und konzentrierte Arbeit führen zu Zielkonflikten. Bei der Planung sollte deshalb berücksichtigt werden, dass diese Tätigkeiten räumlich und akustisch voneinander getrennt werden. Die Mitarbeitenden können je nach Tätigkeiten einen entsprechenden Raum aufsuchen. So lassen sich die Störfaktoren wesentlich reduzieren.

  

Was können die einzelnen Angestellten dazu beitragen?

Leider gar nichts, wenn das Bürolayout nicht optimal geplant wurde. Es sollte auch nicht Sinn und Zweck des Grossraumbüros sein, dass sich die Mitarbeitenden mit Kopfhörern oder einem anderen Gehörschutz vor dem Lärm schützen. Wenn das der Fall ist, hat das Konzept versagt. Dann standen für die Bürokonzeption nur die Flächenkosten pro Arbeitsplatz im Vordergrund.

 

Wie sehen Ihrer Meinung nach die Büros in 20 Jahren aus?

Die Probleme in Grossraumbüros wie Lärm, wenig Privatheit, keine Einflussnahme sind schon lange bekannt und durch Studien belegt. Ich hoffe, dass sie endlich auch erkannt und die Bürolayouts entsprechend konzipiert werden, so dass die Mitarbeitenden weniger Störfaktoren ausgesetzt sind. Zum anderen wird es immer mehr non-territoriale Arbeitsplätze geben, die Mitarbeitenden erledigen ihre Aufgaben also an unterschiedlichen Arbeitsplätzen. Zudem wird der Heimarbeitsplatz zu einem wichtigen Thema.