Von Therese Jäggi
Wenn sich im Büro die ungelesenen Papiere stapeln, die Liste der unbeantworteten E-Mail immer länger wird, die Unterlagen für die Weiterbildung noch nicht durchgearbeitet sind, wenn mindestens drei Fachbücher studiert werden sollten und man seit den letzten Ferien keinen Roman mehr zu Ende gelesen hat, dann fragt man sich, mit welchen Strategien man die unendlich vielen Informationen besser in den Griff bekommt.
Eine dieser Strategien ist «Speed Reading». Es geht dabei im Wesentlichen um die Steigerung der Lesegeschwindigkeit und um ein besseres Textverständnis. Es gibt verschiedene Anbieter von Schnelllesekursen. Einer von ihnen ist Michael Zarth. Er stellte fest, dass entsprechende Kursangebote in der Schweiz weitgehend fehlten und entwickelte ein zweitägiges Seminar.
Auf seiner Internetseite steht ein Test, mit dem man seine Leseleistung messen kann. Ein durchschnittlicher Leser schafft angeblich 200 Wörter pro Minute. Jenen, die darunter liegen, empfiehlt Michael Zarth den Besuch eines Seminars und verspricht die Verdoppelung der Lesegeschwindigkeit. Laut Michael Zarth gehe es in seinen Kursen nicht darum, den Leuten beizubringen, wie sie immer noch mehr aufnehmen und leisten können, sondern wie sie ihr übliches Pensum effizienter bewältigten lernen.
«Vor einigen Jahrzehnten war es dem Durchschnittsbürger noch bequem möglich, die Informationsflüsse zu navigieren. Aber diese Flüsse haben sich jetzt in reissende Ströme verwandelt, die uns zu verschlingen drohen.» Diese Erkenntnis stammt von Tony Buzan, und zwar aus den Siebzigerjahren, die bezüglich «Informationsflüssen» aus heutiger Sicht beschaulich anmuten. 1971 erschien sein «Speed Reading», ein Standardwerk zum Thema, das bis heute immer wieder neu aufgelegt wird. Der Wissenschaftsjournalist ging davon aus, dass es analog zum körperlichen Aufbautraining auch visuelle und geistige Übungen geben müsse, welche die Lesegeschwindigkeit, das Textverständnis und die Erinnerung an das Gelesene veränderten.
Stärken der rechten Gehirnhälfte
Ebenfalls auf der Hirnforschung beruht die von Ruth Wenger entwickelte «alphaSkills»-Methode. Laut Ruth Wenger liegt der Engpass beim Lesen in der linken Hirnhälfte. Sie setzt deshalb auf die rechte Hirnhälfte. Das Gehirn könne geschult werden, schriftliche Informationen über die visuellen Zentren in der rechten Gehirnhälfte zu verarbeiten. «Die Augen ziehen fliessend durch die Seiten und nehmen in 3- bis 5-fachem Tempo die Inhaltsgestalt auf.» Ruth Wenger, Inhaberin der Baarer Firma Alphaskills AG, vergleicht das Fassungsvermögen der visuellen Gehirnfähigkeiten mit einem riesigen ultraschnellen Arbeitsspeicher eines Computers.
Durch gezieltes Training würden neue Verarbeitungswege im Gehirn erstellt und verankert, «so dass die Impulse von selber diese Pfade nutzen, sobald die Augen ziehen». Die Grundlage für visuelle Lesetechniken sei der Alpha-Zustand, der im EEG im Frequenzbereich zwischen 8 und 14 Hertz liegt. Wenn es gelinge, Alpha-Wellen im Gehirn zu aktivieren, erreiche man einen physisch entspannten, mental klaren Zustand und Informationen könnten dann klar aufgenommen, gespeichert und verarbeitet werden. «Auf dieser Grundlage lässt sich das Lesetempo innerhalb weniger Stunden mühelos in ein Vielfaches steigern», ist Ruth Wenger überzeugt. Inhalte würden mit 750 bis 1500 Wörter pro Minute aufgenommen.





