Ich bin mit meiner aktuellen Arbeitsstelle unzufrieden. Es werden mir nur wenige Projekte zugeteilt oder interessante Aufgaben übertragen. Ich fühle mich unterfordert und gelangweilt. Da ich auf meine Arbeitsstelle angewiesen bin, versuche ich den Eindruck zu erwecken, ausgelastet zu sein. Ich surfe häufig im Internet oder führe persönliche Gespräche. Das Paradoxe ist, dass ich mich trotz meiner Unproduktivität völlig erschöpft fühle.
Ihr emotionales und physisches Befinden, das Sie in Bezug auf ihre Arbeitssituation beschreiben, wird als «Bore-out-Syndrom» bezeichnet, was so viel heisst wie «ausgelangweilt» sein. Gemäss den Autoren Philippe Rothlin und Peter R. Werder sind Menschen von Bore-out betroffen, die am Arbeitsplatz chronisch unterfordert, gelangweilt und desinteressiert sind – aber durch Verhaltensstrategien stets die Fassade aufrechterhalten. Laut Experten macht die Mischung aus Unzufriedenheit und tagtäglichem Selbstbetrug Bore-out so gefährlich. Die Betroffenen fühlen sich ausgelaugt, unzufrieden und sind frustriert, weil die Anerkennung fehlt und sie ihr Wissen nicht anwenden können.
Eine persönliche Situationsanalyse, bei der Sie die Tätigkeiten während Ihrer Arbeitszeit ehrlich dokumentieren, ist ein erster Schritt, aus dem Bore-out zu finden. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten. Teilen Sie ihm Ihre aktuelle Arbeitssituation mit. Heben Sie dabei deutlich hervor, dass Sie motiviert sind, anspruchsvollere Arbeiten anzunehmen und sich weiterzubilden. Führt dieses Gespräch nicht zu einer Veränderung, überlegen Sie sich folgende Massnahmen:
- Teilzeitarbeit (bei quantitativer Unterforderung)
- Zusatzausbildung
- Stellenwechsel innerhalb des Unternehmens
- Umschulung
- Arbeitgeberwechsel
Bleiben Sie auf jeden Fall so lange am Ball, bis Sie mit Ihrer Arbeitssituation zufrieden sind. Der Beruf ist ein wesentlicher Teil unserer Identität. Eine befriedigende und sinnvolle Arbeit stärkt Ihren Selbstwert. Nehmen Sie einen unbefriedigenden Zustand nur vorübergehend Zeit hin.
Patrizia Rizzo, Beraterin bei ICAS Schweiz





